Sonderausstellungen

13. April 1945 - Der gestrandete Zug von Farsleben

Die Geschichte des Gestrandeten Zuges begann im Konzentrationslager (KZ) Bergen-Belsen. Seit 1940 als Kriegsgefangenenlager genutzt, richtete die Schutzstaffel (SS) ab Juli 1943 hier zusätzlich ein sogenanntes „Austauschlager“ ein. Hierhin wurden bis Dezember 1944 mindestens 14.600 jüdische Häftlinge mit ausländischen Staatsbürgerschaften verbracht und waren zunächst von der Vernichtung ausgenommen. Sie sollten gegen internierte Deutsche im westlichen Ausland ausgetauscht oder gegen Devisen „verkauft“ werden.

Die Mehrzahl der im Lager Inhaftierten kamen aus Ungarn, es waren aber auch viele Niederländer, Slowaken, Polen und fast 100 Griechen unter ihnen.

Im April 1945 sollten etwa 6.700 Austauschhäftlinge des KZ Bergen-Belsen vor den heranrückenden  Truppen der Alliierten evakuiert werden. Insgesamt verließen drei Züge das KZ Bergen-Belsen mit dem Ziel Theresienstadt.

Am 7. April 1945 wurde auf dem Bahnhof in Celle einer dieser Räumungstransporte mit über 2.500 jüdischen Gefangenen zusammengestellt. Am 8. April 1945 setzte sich der Zug gegen 14.00 Uhr in Bewegung. Ohne  ausreichende Verpflegung und medizinische Versorgung starben bereits viele Menschen in den völlig überfüllten Waggons.

Am 12. April 1945 kam der Zug zwischen Zielitz und Farsleben in einem Wäldchen zum Stehen - die geplante Weiterfahrt nach Magdeburg war aufgrund von Fliegerangriffen nicht möglich. Die Bewaldung, in der der Zug stoppte, diente als eine letzte natürliche Deckung gegen den Beschuss.

Gegen Mittag des 13. April 1945 erreichten zwei US-amerikanische Aufklärungspanzer der 743. Infanterie-Division der 9. US-Armee Farsleben. Die US-Amerikaner evakuierten die ausgemergelten Menschen und brachten sie in Farsleben und in Hillersleben zur ersten Versorgung unter.

Unter den Überlebenden befanden sich mehr als 500 Kinder und junge Menschen. Daher gibt es noch viele überlebende Zeitzeugen…